Ein in der Bergschadensregulierungspraxis immer wieder auftretendes Schadensbild ist die Verformung und Rissbildung in zementgebunden Estrichen sowie die entsprechenden Schäden in den Oberbelägen (zumeist Fliesen). Eine bergbauliche Verursachung etwaiger Rissbildung in nicht erdberührten Bauteilen ist zwar selten, allerdings nicht immer auszuschließen und muss daher grundsätzlich geprüft werden.

Im gemeinen Wohnungsbau werden i.d.R. Zementestriche nach DIN 18560 als Tragschicht von Oberbelägen eingebaut. Aus Schallschutzgründen werden die Estriche dann „schwimmend“ verlegt, d.h., die Estrichschicht wird auf geeignete Polystyrol-Hartschaumplatten mit umlaufenden Randstreifen in der Boden-/Wandkehle auf die tragende Bauteilkonstruktion (Betondecke) aufgebracht. Sie stellt ein eigenständiges Bauteil dar, welches nur durch Eigengewicht und Verkehrslast belastet wird. Diese recht einfache planungstechnische Konstruktion führt allerdings nicht immer zu dem gewünschten nachhaltig schadensfreien und optisch ansprechenden Belag.
Vielfach vorzufindende Schadensbilder sind:
- Risse in den Bodenfliesen
- Abrisse der Boden-/Wandkehlversiegelung
- Bodenfliesenabscherung der unmittelbar an die Wände grenzenden Bodenfliesen
- Vergrößerung und Höhenversätze der angelegten Bewegungsfugen (Türdurchgänge/Querschnittsänderungen).
Zementestriche neigen zu „Eigenbewegungen“ in Folge von Schwindprozessen und Kriechverformungen. Unter Schwinden versteht man im Wesentlichen die Volumenverkleinerung wassergebundener Baustoffe. Das benötigte Anmachwasser wird entweder chemisch gebunden oder trocknet aus. Bei diesem Prozess finden Längenänderungen statt, die bei Behinderung der Bewegung zu Rissschäden führen können. In Folge des Austrocknungsprozessess des Estrichs stellt sich eine nicht zu vermeidende Aufschüsselung ein, die nach Abschluss der Trocknungsphase bis auf eine verbleibende Restverformung zurück-geht. Ebenso tritt eine Verkürzung der Estrichscheibe ein. Die Größe des Schwindprozesses hängt dabei von der Zusammensetzung der Rohstoffe, vom Wasser-/ Zementwert und der Austrocknungsgeschwindigkeit ab. Zementreiche Estriche haben deutlich höhere Schwindwerte. Die Kriechverformung tritt ein, wenn durch dauerhaft stehende, schwere Einrichtungsgegenstände eine Absenkung der Scheibe entsteht. Selbst bei sorgfältigster Ausführung lassen sich Verformungen nicht vermeiden. Daher ist darauf zu achten, dass dieser Verformungsprozess berücksichtigt und insbesondere nicht behindert wird.

Im Folgenden sollen häufig vorgefundene Schadensbilder beschrieben werden:
Abrisse der Boden-/Wandkehlversiegelung:
Wird der Estrich zu früh – also vor Abschluss der Verformung – mit Fliesen belegt, kommt es zwangsläufig zum Abriss der Versiegelung der Boden-/Wandkehle (Silikonfuge), der mitunter Werte von mehreren Millimetern erreichen kann. Durch Erneuerung der Versiegelung kann das Schadensbild jedoch bis auf optische Mängel (breitere Fuge) beseitigt werden.
Risse in den Bodenfliesen:
Die oben beschriebene konvexe Verformung führt bei ungünstigen Verhältnissen später oftmals zu einem „Einknicken“ der Estrichscheibe, die sich dann im Fliesenbelag als feine Rissbildung – meist in der Mitte der Fläche – zeigt. Da diese Rissbildung durchgehend ist, kommt es im Laufe der Zeit aufgrund der Verkehrslasten zu einer Vergrößerung des Rissbildes.

Die Verwendung von Heizestrichen birgt wegen der recht schnellen Austrocknung durch schnelle Aufheizung einer Fußbodenheizung ein zusätzliches Schadenspotenzial. Darüber hinaus wird der Estrich durch temperaturbedingte Verformung zusätzlich beansprucht, welche die Ausprägung der Rissbildung begünstigt.

Eine fehlerhafte bzw. fehlende Fugenaufteilung in der Fläche sowie eine mangelhafte Fugenausbildung können ebenso zu Rissbildungen führen mit der Folge, dass die an die Wände grenzenden Bodenfliesen abscheren. Hier ist die mangelhaft oder überhaupt nicht ausgebildete Fuge Ursache der Schädigung, da sich in diesem Bereich der Boden „aufgehängt“ und Teile der angrenzenden Bodenfliesen „mitgenommen“ hat.

Häufiges Schadensbild ist auch die unzureichende bzw. nicht vorhandene Ausbildung der Fugen in Türdurchgängen oder Querschnittsänderungen. Durch die Verkürzung der Estrichscheiben kann es zu relativ großen Aufweitungen kommen, die bei gleichzeitiger Nichtbeachtung der Fugenausbildung im Oberbelag zu entsprechenden Rissbildern führt. Die oben beschriebene Aufschüsselung hat darüber hinaus einen Vertikalversatz des Belages im Rissbereich oder Fugenbereich zur Folge.

In älteren Gebäuden findet man im ungedämmten Dachgeschoss (Trockenboden) häufig starke Risse im Estrich vor, die im Wesentlichen durch die zu frühe Austrock-nung, zu geringer Dicke und immer wiederkehrende hohe thermische Beanspruchung entstanden sind.

Ein eher seltenes Schadensbild sind Schäden, die aufgrund unterschiedlicher Dicke der Estrichscheibe entstehen. Unebenheiten der Rohdecke oder mangelhafte Planung der Aufbauhöhen (keine Berücksichtigung von Heizleitungen oder sonstigen Versorgungsleitungen) führen zu Querschnittsänderungen und somit ungewollten Sollbruchstellen/Rissbildungen. Zur scha-densfreien Aufnahme der Verkehrslasten muss die Dicke des Estrichs der aufzunehmenden Verkehrslast entsprechen (die Werte sind den einschlägigen Regelwerken zu entnehmen).

Nachfolgende Punkte sollten für die Herstellung eines duerhaft belastbaren Estrichs beachtet werden:
- konsequente Ausbildung der Fugen (Erstellung eines Fugenplans),
- ausreichende, gleichmäßige Dicke des Estrichs,
- sauberer, ebener Untergrund,
- ausreichend tragfähige Dämmschicht,
- Vermeidung zu früher Belastung des Estrichs,
- Prüfung der „Belegreife“ des Estrichs,
- gleichmäßige, ausreichende Verdichtung des Mörtels.

Weiterhin treten häufig Schäden im Verbundestrich der Sohlplatte im Kellergeschoss älterer Häuser sowie in Garagen auf. Hierbei handelt es sich mehrheitlich um Risse verschiedener Größen, die sich als
- relativ stark ausgeprägte Rissbildung meist zur Mitte des Raumes verlaufend,
- netzartige, relativ feine Rissbildung (Haarrisse) oder
- Hohllagen
zeigen.

Der hier verwendete Zementverbund-estrich ist fest mit dem Untergrund verbunden. Die Sohlplatte ist in der Regel unbewehrt und kann Biegemomente nicht ohne entsprechende Verformung aufnehmen. Im Zuge der natürlichen mehr oder weniger geringen Setzung des Bauwerkes und der Lastabtragung in den Gründungsbereich tritt eine Aufwölbung der Sohlplatte ein, die sich dann auch an der Oberfläche als Rissbildung im Estrich zeigt. Diese verläuft entsprechend des größten Biegemoments quer oder kreuzförmig über die gesamte Fläche des Raumes. Durchdringungen im Boden (z.B. Senke oder Revisionsschacht) begünstigen zusätzlich Schadensbildungen. Da die Bodenplatten zudem vielfach unregelmäßig in unterschiedlichen Dicken und Betonqualitäten aufgebaut sind, kommt es zu ungleichmäßigen Rissbildern verschiedener Stärken. Die Gebrauchstüchtigkeit ist eingeschränkt.
Netzartige feine Risse mit geringer Tiefe sind zumeist als Schwindrissbildung zu werten, stellen aber wegen der nicht eingeschränkten Gebrauchstauglichkeit keinen technischen, vielmehr einen optischen Mangel dar.

Hohlstellenbildung ist oft auf unzureichenden Verbund in der Adhäsionsschicht zwischen Beton und Estrichmörtel zurückzuführen. Staubablagerungen oder zu trock-ener Mörtel sind fast immer die Ursache der Hohlstellen.
Bergbaubedingte Bodenbewegungen in Form von Zerrungen und Pressungen insbesondere im erdberührten Bereich haben ebenfalls Schadenseinfluss auf das Bauteil, so dass sich durch Überlagerungen vorhandene Risse stärker ausprägen (können).

Dipl.-Ing. Robert Schenk

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